Margreth Hirschmiller-Reinhard: “ Momente” Die Ausstellung von Margreth Hirschmiller-Reinhard zeigt zwei wichtige Werkgruppen der Künstlerin: die "Schritte" und die "Momente". Begriffe, die die Künstlerin in Beziehung zur Zeit setzt. Das Schrittmotiv, Ihre „Läufer“, als Metapher für die Zeit ist geradezu zum Markenzeichen für Margreth Hirschmiller-Reinhard geworden. Mit weit ausholenden Schritten sieht man die Figuren gehen, laufen, rennen, springen - putzmunter, gestreckt, gebückt, akrobatisch, grotesk, voll Energie streben sie vorwärts. Bewegungen, die oft nur einen Wimpernschlag dauern, hat die Künstlerin mit einem adäquat flüchtigen Strich eingefangen, geschlechtliche Merkmale und individuelle Charakterisierung sind zweitrangig. Was zählt sind mit wenigen Strichen gekennzeichnete lange Gliedmaßen und große Hände und Füße, die genügen, um alle Bewegungsabläufe deutlich zu machen. Die Flüchtigkeit des Augenblicks, der es ermöglicht, dass solche Figuren für einen Moment über dem Boden schweben, versinnbildlicht bei ihr die Flüchtigkeit der Zeit.  „Zeiterlebnis ist für mich nichts Bedrohliches“, sagt die Künstlerin, „vielmehr nehme ich bewusst wahr, dass nichts aufzuhalten ist. Ich empfinde es für mich als Glück das jeweils besondere „Jetzt“ intensiv und bewusst erleben zu können.“ Die Zusammenfassung, die Quintessenz ihrer Läuferstudien, ist eine große Serie von 365 kleinen Rechtecken: die 365 Radierungen von fragmentarischen Bewegungsstudien stehen jeweils für ein 8-stündiges Tagwerk. So lange etwa dauert der Weg von der Zeichnung, über die Bearbeitung der Kupferplatte, das Auftragen des Radiergrundes bis hin zum fertigen Druck. Diese aneinander gereihten Tagwerke bilden ein verschlüsseltes Tagebuch, das auch etwas von  den Stimmungen und Empfindungen des jeweiligen Zeitraumes einfängt. Zu Einheiten zusammengesetzt, erscheinen diese Studien fast abstrakt, werden zu kalligraphischen Zeichen und sind so, diesem täglichen Schreiben im Tagebuch, diesem sich täglich Rechenschaft ablegen, noch vergleichbarer. Schritt für Schritt wird der Ablauf der Zeit nachvollzogen, auch die nicht zu leugnende Monotonie im Tagesablauf jedes Menschen. "Und doch", sagt die Künstlerin, "kann man jeden Tag das Gleiche tun - und es wird doch nie das Selbe sein." Den Zauber des flüchtigen Augenblicks vermitteln auch die Aquatinta - Ätzungen, die Margreth Hirschmiller – Reinhard seit 2006 unter dem Titel „Momente“ zusammenfasst. Mit diesen  Arbeiten aus den letzten vier Jahren ist sie nun endgültig in der Abstraktion angekommen. Bei den "Momenten" hat sie ihr Formrepertoire auf Linien, Tupfen, Flecken und Pinselschläge reduziert. Es ist, als sei der Pinselhieb an die Stelle des Läufers getreten. Weiß, Schwarz und Grau bestimmen die Farbkompositionen, manchmal darf ein wenig Rot oder Sonnengelb leuchten. Wie früher arbeitet die Künstlerin auch jetzt wieder in Serien und verändert dabei das Aussehen ihrer fragmentarischen Zeichen, lässt sie aufmarschieren in Reih und Glied, dann wild durcheinander laufen, aus der Reihe tanzen, verschwinden und noch zerzauster wieder auftauchen. „Momente“ – das ist Margreth Hirschmiller-Reinhards altes Thema von der Bewegung, vom Lauf durchs Leben und vom Verfließen der Zeit. Nun ist es aber noch kürzer, noch komprimierter, noch spontaner und schneller erfasst. Durch das Werk von Margreth Hirschmiller – Reinhard zieht sich  das Zeitthema wie ein Leitmotiv und seit 1998 manifestiert es sich in der Darstellung von Bewegung und rhythmischer Wiederholung. Ich vermute, dass sie dieses weite Feld noch länger beackern und noch für manche überraschende Ein - und Ansichten sorgen wird, komponiert in ihrer immer wieder neuen und doch unverwechselbaren Bildsprache. Aber, alles hat seine Zeit... Liane Thau, Kunsthistorikerin 03.10.2010 - 31.10.2010